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Samstag, 4. November 2023

Aufgelesen (XXII)

Staatssekretär wünscht sich deutschen Islam

„Unser Wunsch ist, dass die in Deutschland lebenden Muslime eine in der deutschen Sprache, in der deutschen Kultur wurzelnde eigene Interpretation ihres Glaubensdaseins, ihrer kulturellen Selbstbestimmung entwickeln und umsetzen. Und das wäre dann im Endeffekt eben ein deutscher Islam“, sagt Markus Kerber. Er ist Staatssekretär im Bundesinnenministerium und gilt als die treibende Kraft der Deutschen Islamkonferenz. Denn seit ihrem Start im Jahr 2006 laufen in seinen Händen die Fäden des Dialog-Treffens zusammen.

Deutschlandfunk, 12. Januar 2020

Hip-Hop für Allah

„Nee ich verkauf kein Dope, hab den Heiligen Koran im Mantel“, singt das kanadische Duo Deen Squad, zusammen mit dem Rapper Shadi Akhi. Im Musikvideo zum dem Song „Alhamdullilah“ zieht Shadi Akhi an der Stelle einen goldverzierten Koran aus der Innentasche seiner Jacke. In den Liedern von Deen Squad geht es vor allem um den einen: „Allah!“

Deutschlandfunk, 11. März 2020

Viel Ablehnung gegenüber Islam

„Es gibt unter Jugendlichen viel Ablehnung gegenüber dem Islam. Gleichzeitig verfügen die jungen Menschen über Wissen zum Islam“, sagte Lamya Kaddor im Dlf. „Man kann nicht sagen: Es sind eingefleischte Islamhasser, aber sie bedienen bestimmte Stereotype.“ Die Religionspädagogin leitet ein Forschungsprojekt der Universitäten Duisburg-Essen und Bielefeld zum Thema „Islamfeindlichkeit unter Jugendlichen“, das von der privaten Mercator Stiftung gefördert wird. Befragt wurden dafür rund 480 Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen.

Deutschlandfunk, 19. Mai 2020

Der Glaube und das Leben

„Gläubige Muslime, auch wenn ihnen der Glaube, ihre Religion sehr wichtig ist und sie sich natürlich danach richten, sowohl im Leben als auch im Tod, vor dem Tod, sind natürlich nicht unbetroffen von dem Schmerz und von dem ganzen Leid, das bevorsteht, wenn ein Mensch stirbt. Und ich denke, egal wie viele es, wie viele Regularien es da gibt, wie ausgefeilt sie sind, welche Maßstäbe angesetzt werden – im Endeffekt in der Praxis entscheidet der Gläubige selbst.“

Sagt Serdar Günes, Islamwissenschaftler aus Frankfurt.

Deutschlandfunk, 26. August 2020

Der Islam ist bunter geworden

Vor zehn Jahren stieß der damalige Bundespräsident Christian Wulff zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung eine Debatte an, die uns bis heute begleitet: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Diese Debatte lebt seitdem von ihrer Unbestimmtheit. 

Welcher Islam?, will man fragen. Der volkstümliche, der mystisch-spirituelle, der salafistische, der bosnisch, türkisch, arabisch, afrikanisch geprägte, der sunnitische, der schiitische? Welches Deutschland – das städtische, das ländliche, das traditionelle, das weltoffene, das xenophobe? Was heißt dazugehören? Gehört der Islam dazu, wenn Muslime in Verantwortung genommen werden, wenn sie ihre Religion kritisch hinterfragen lassen, wenn sie sich aktiv zu gesellschaftlichen Themen äußern?  

Der Tagesspiegel, 27. September 2020

Papst für Dialog

Der Papst will eine Brücke schlagen: Franziskus  hat auf seiner Irakreise weiter für den Dialog zwischen dem Islam und dem Christentum geworben. Der Samstag markierte den interreligiösen Höhepunkt seiner Reise in das Land im Nahen Osten.

Morgens machte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche zum höchsten schiitischen Geistlichen, Großajatollah Ali al-Sistani, in die südliche Stadt Nadschaf auf. "Ihr seid alle Geschwister" stand auf Plakaten mit den Konterfeis der beiden, die in den Straßen Bagdads an großen Verkehrskreuzungen aufgestellt wurden.

Süddeutsche Zeitung, 6. März 2021

Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede

Seit 1997 ist der 3. Oktober "Tag der offenen Moschee". Er soll helfen, Vorbehalte und Ängste gegenüber dem Islam abzubauen. Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin und liberale Muslima, hält einen Moscheebesuch für einen Teil der Allgemeinbildung. Denn angesichts der Tatsache, dass mehr als ein Viertel unserer Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweise, biete dies eine Chance, innergesellschaftliche Brücken zu bauen. Wenn man Judentum, Christentum vergleiche, gebe es "viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede", betont sie im SWR-Interview der Woche.

SWR, 1. Oktober 2021

Kein Armageddon

Ein weiterer eklatanter Unterschied ist das Konzept des Letzten Tages, während Christen und Pseudo-Christen an einen schließlichen Kampf zwischen gut und böse glauben, als Armageddon bekannt, gibt es so etwas im Islam nicht.  Der Islam lehrt, dass die gegenwärtige Welt mit einem definitiven Anfang geschaffen wurde und ein definitives Ende haben wird, gekennzeichnet durch eschatologische Ereignisse.  Diese Ereignisse beinhalten die Wiederkehr von Jesus.  Die historische Zeit wird zu Ende gehen und sie wird von einer Wiedererweckung der gesamten Menschheit und einem abschließenden Gericht gefolgt werden.

Islam-Religion

Islamisch bis zur Auferstehung

Die "Hamas" postuliert, "dass das Land Palästinas ein islamisches Waqf-Land für die Generation der Muslime bis zum Tag der Auferstehung ist". Dies meint, dass es sich bei Palästina um eine Art fromme Stiftung, um ein islamisches Land handelt.

In dieser Perspektive steht die Region vollständig im Besitz der Muslime, und zwar als Ergebnis einer göttlichen Vorgabe. Dies bedeutet für die "Hamas" denn auch: "Weder darf es oder ein Teil von ihm aufgegeben werden noch darauf oder auf einem Teil von ihm verzichtet werden ..." (S. 212, Artikel 11).

Dazu seien weder Organisationen, Regierende noch Staaten berechtigt. Jede Abweichung von diesem Grundprinzip deutet man als Verstoß gegen Gottes Willen. Dies meint auch, dass ein Existenzrecht Israels niemals anerkannt werden kann, da es in dieser Sicht gegen die diesbezügliche Deutung des Islam spreche. Als tagespolitische Konsequenz ergibt sich aus dieser Auffassung die Ablehnung jeglicher Friedenslösungen und -verhandlungen.

Telepolis, 19. Oktober 2023

Kein Platz für religiöse Intoleranz

Habeck sprach auch die Muslime und ihre Vertreter in Deutschland direkt an. Es brauche auch von den muslimischen Verbänden in Deutschland eine Antwort auf Antisemitismus. Einige hätten sich klar von den Taten der Hamas und Antisemitismus distanziert, lobte Habeck. „Aber nicht alle und manche zu zögerlich und ich finde, insgesamt zu wenige.“ Habeck forderte alle Muslime in Deutschland auf, sich klar von Antisemitismus zu distanzieren, um nicht ihren eigenen Anspruch auf Toleranz zu unterlaufen. „Für religiöse Intoleranz ist kein Platz in Deutschland“, so Habeck.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Aufgelesen (XXI)

Islam nicht prüde
Dem kann Enes Curuk nur zustimmen. Er ist 28 Jahre alt, lebt im Rheinland und hat in Ankara islamische Theologie studiert: „Wir können aus dem Koran herauslesen, dass die Sexualität zum Menschen, zum Wesen an sich, dazugehört, dass sie ein Teil seines Wesens ist. In der Hinsicht würden wir da auch aus koranischer Sichtweise und auch aus dem Leben des Propheten herausfiltern können, dass Sexualität durch und durch, also durch die gesellschaftlichen Schichten hindurch, sowohl beim Mann als auch bei Frau ein selbstbewusstes Thema ist.“
Deutschlandfunk, 3. Januar 2019

Freiheit nicht teilbar

Dazu kam, dass er als Sohn eines streng gläubigen Imams in dem Glauben aufgezogen worden war, dass der Islam moralisch dem Westen überlegen sei. „Ich wollte zwar frei sein, aber nicht zu viel. Doch Freiheit kann man nicht aufteilen. Das musste ich lernen“, so Abdel-Samad. Im Laufe der Jahre wurde er nach sorgfältiger wissenschaftlicher Analyse des Korans ein Kritiker des Islams. Doch manche Kreise werfen ihm heute vor, ein Islamhasser zu sein. Abdel Samad muss über diese Einschätzung lachen. „Wenn ich in Tunesien Vorträge halte, gelte ich als Aufklärer“, verdeutlicht er.

Südkurier, 23. Januar 2019

Papst in der Wiege des Islam
Es ist noch kein Jahrzehnt her, da stritten die Islamgewaltigen der Arabischen Halbinsel noch mit frommem Eifer, ob auf ihrem Boden, der Heimat des Propheten Mohammed, überhaupt eine christliche Kirche gebaut werden dürfe. Eine Minderheit ultraorthodoxer Dogmatiker forderte gar, Andersgläubige sollten Arabien überhaupt nicht betreten dürfen, damit das Ursprungsland des Islam nicht entweiht werde. Streng verboten jedoch ist allen Nicht-Muslimen der Besuch von Mekka und Medina, wo rote Warnschilder auf der Autobahn den Weg zu den heiligen Städten blockieren. Wer als Christ innerhalb der Stadtgrenzen aufgegriffen wird, muss damit rechnen, verhaftet und des Landes verwiesen zu werden.

Am Wochenende nun erlebt die Wiege des Islam eine interreligiöse Weltpremiere, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Zum ersten Mal in der Geschichte betritt mit Franziskus ein Papst die konservative Halbinsel.
Frankfurter Rundschau, 1. Februar 2019

Zum Berlinale-Film "Oray"

Mehmet Büyükatalay: Ich habe einen echten Oray ein paar Mal treffen können, und die Eckpunkte seiner Biografie waren ähnlich. Er war Kleinkrimineller, wollte dann neu anfangen, zog zu seinem Jura studierenden Freund nach Köln, und ich kannte den Freund. Da hatten wir die Möglichkeit, uns immer wieder zu treffen, als ich den Freund besucht habe. Da hat mich seine Zwiegespaltenheit richtig neugierig gemacht, weil er natürlich seinen Glauben gefunden hatte, aber auch mit seinen alten Verhaltensmustern nicht aufhören konnte. Zum Beispiel, wenn die gekifft haben, hat er dann gewartet bis zum letzten Gebet, die Muslime beten ja fünfmal am Tag, und dann hat er erst gekifft. Er konnte auch von seinen alten Freunden nicht loslassen und hat die ganze Zeit versucht, die zum Glauben zu überzeugen. Und das hat mich einfach zu dieser Figur inspiriert.

Deutschlandfunk, 10. Februar 2019

Starke Frauen im Islam

Um Frauen und ihre Position im Islam geht es am Samstag, 9. März, in der Al Mahdi Moschee an der Massenhausener Straße: Die Frauenorganisation der Ahmadiyya Muslim-Gemeinde lädt um 16 Uhr alle interessierten Frauen ein. "Anno 610 - Revolution der Frauenrechte" lautet der Titel der Veranstaltung anlässlich des Weltfrauentags. Die Besucherinnen können dabei laut Ankündigung mehr über "starke Frauen aus der Geschichte des Islam" erfahren und "deutsche Muslimas aus dem Hier und Jetzt" kennenlernen.

Süddeutsche Zeitung, 7. März 2019

Nur eine Modeausstellung?

"Es ist eine Modeausstellung", sagt der Direktor Matthias Wagner K zu Beginn und wiederholt es noch ein paar Mal: eine Modeausstellung, eine Modeausstellung, nichts als eine Modeausstellung. Aber wenn die Schau "Contemporary Muslim Fashions" am Donnerstag im Frankfurter Museum Angewandte Kunst eröffnet, wird es Sicherheitskontrollen am Eingang geben, Körperscans, Taschendurchsuchungen. Wagner K hat Drohungen von Rechten bekommen, Feministinnen protestierten. Eine Frauengruppe beschied, solange nicht auch das Bild einer gesteinigten Frau gezeigt werde, sei die Ausstellung leider inakzeptabel. Einzig die konservativen islamischen Verbände haben sich noch nicht geäußert, aber das sollte man nicht als Zustimmung werten. Wenn Wagner K also darauf beharrt, es handele sich um eine "Modeausstellung", dann ist das ungefähr so, als wolle man die Debatte über das Kreuz in Schulen als Frage der Inneneinrichtung behandeln.

Süddeutsche Zeitung, 3. April 2019

Gespräch mit Seyran Ates

Aber leider wird es bei vielen deutschen Muslimen nicht so gelebt und nicht so verstanden. Wir hören es in Berlin immer häufiger, dass schon kleine Kinder zum Fasten angehalten werden. Dabei ist es eine Vorschrift im Koran, dass Kinder nicht fasten dürfen. Sie sollen ja verstehen, was sie tun. Deshalb halten wir es in unserer Moschee anders. Wir sagen, es ist nicht in Ordnung, wenn Erwachsene Kinder zum Fasten animieren oder sogar Druck ausüben.

ntv, 5. Mai 2019

Islamisch sein: Deutschland weiter als die Türkei

Wussten Sie, dass Deutschland in Sachen "Islamisch-Sein" viel weiter ist als die Türkei? Die Rede ist nicht von der Ausbreitung des Islams in Deutschland. Ich spreche von einem Leben gemäß den islamischen Lehren. Im Islam heißt es: Du sollst nicht stehlen, du sollst die Menschen achten, mit deinen Nachbarn gut auskommen, dein Brot mit Armen teilen. Wer hält sich nun stärker an diese Gebote: Deutschland oder die Türkei? Eine jüngst veröffentlichte Studie gab die Antwort auf diese Frage: Deutschland.

Die Zeit, 24. Mai 2019

Islam-Dialog in der Krise

Der Islam-Dialog, das Gespräch zwischen den christlichen Kirchen und den Muslimen in Deutschland, steckt in einer tiefen Krise. „Die zunehmende Entfremdung zwischen vormaligen Dialogpartnern ist nicht zu übersehen“, konstatiert eine brandneue Studie der Denkfabrik „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW), eine Einrichtung der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), die unserer Zeitung vorliegt.
Es ist seit vielen Jahren das erste Mal, dass ein Organ der EKD auf Distanz zur bisherigen Praxis des interreligiösen Dialogs geht. Seit Jahrzehnten sind die Kirchen im Gespräch mit Islamverbänden. In den Augen von Kritikern aber zu unkritisch und einseitig nur mit konservativen Vertretern.
Stuttgarter Nachrichten, 16. Juni 2019

In allen Religionen breite Zustimmung zur Demokratie

Ob Judentum, Christentum oder Islam – bei den Angehörigen der verschiedenen Religionen stoßen demokratische Werte und Prinzipien auf breite Zustimmung. Die große Mehrheit von 89 Prozent der Bevölkerung – über alle Religionen hinweg – hält die Demokratie in Deutschland für eine gute Regierungsform. Das ist das Kernergebnis einer jetzt von der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh veröffentlichten Studie auf Basis des repräsentativen Religionsmonitors.

Stuttgarter Zeitung, 11. Juli 2019

Islam eignet sich nicht zum Feindbild

Wir kratzen an den letzten Bröseln eines schon ziemlich fest verklumpten Bodensatzes. Die Rede von der islamischen Gefahr, der islamischen Herausforderung, der islamischen Bedrohung ist ausgeschöpft. 30, 40 Jahre wurde sie im Westen kultiviert. Noch in jüngster Zeit hat die deutsche Politik hunderte Planstellen in Polizei und Geheimdiensten für die Beobachtung und Verfolgung des politischen Islam geschaffen. Aber inzwischen scheint es den Klügeren zu dämmern: der Islam eignet sich nicht (mehr) zum Feindbild. Dieser Trend hat etwas mit der Realität zu tun. Dem politischen Islam ist, erscheinungsformübergreifend, die innere Glaubwürdigkeit abhanden gekommen.

Panorama, 29. August 2019

"Theologie der Vielfalt"

Herr Borgolte, in wenigen Tagen beginnt der Studienbetrieb am neu gegründeten Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität. Was erwartet die Studierenden dort?

Die Möglichkeit, erstmals in Berlin Islamische Theologie zu studieren – zunächst im Mono- oder Kombinationsbachelor. Der Studiengang ist bundesweit einzigartig, weil man bei uns eine „Theologie der Vielfalt“ studiert. Zum einen werden die sunnitische und die schiitische Strömung vergleichend behandelt, das gibt es bundesweit sonst nirgendwo. Zum anderen ist das Studienprogramm – wie international üblich – historisch ausgerichtet. Aber das soll unsere Studierenden befähigen, sich aufgrund einer soliden Kenntnis der islamischen Geistes- und Kulturgeschichte an aktuellen theologischen und gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen.

Berliner Tagesspiegel, 24. September 2019

Islamunterricht als Wahlpflichtfach

Florian Streibl, FW-Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag und religionspolitischer Sprecher der Fraktion, unterstrich gleich zu Beginn seiner Ausführungen, dass die FW keiner Ideologie verpflichtet sei, sondern der sachlichen Arbeit. Und formulierte seine Überzeugung, dass der Islam in Deutschland angekommen sei: „Es gibt deutsche Muslime, und von daher gehört der Islam auch mit zu uns. Damit muss man umgehen.“

Den in Bayern im Rahmen eines Modellversuchs geleisteten Islamunterricht sieht er auf gutem Weg, er soll weiter in Richtung eines Wahlpflichtfachs ausgebaut werden. Entsprechend sollen es dafür auch mehr Lehrer geben. Streibl betonte die Bedeutung der Wertevermittlung durch die Religion, doch im selben Atemzug machte der Jurist deutlich, dass der Rechtsstaat und das Grundgesetz über allem stehe: „Das ist der Rahmen, der gesetzt ist, der für alle gleich gilt.“ Nur so könne eine offene Gesellschaft funktionieren, sagte Florian Streibl, Sohn der früheren bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl.

OVB online, 27. Oktober 2019

Auf der Suche nach dem Gleichgewicht

Mit dem Aufkommen des politischen Islam, von Terrorismus, Instabilität und Spannungen in islamischen Ländern sowie aufgrund von Integrationsschwierigkeiten in westlichen Ländern dominiert die Islamfrage derzeit die globale Agenda. Jedes Land, sei es in der islamischen Welt oder außerhalb, sucht nach neuen Gleichgewichten.

In diesem Zusammenhang beschäftigt sich das Institut Thomas More mit Marokko, ist dieses Land doch ein einzigartiges Beispiel für eine politisch-religiöse Struktur. Zu diesem Thema hat Sophie De Peyret, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts, eine Arbeit mit dem Titel „Nation et religion: L’expérience marocaine“ (Nation und Religion: Die marokkanische Erfahrung) verfasst.

Onvista, 12. Dezember 2019

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Aufgelesen (XX)

Verschiedene Ansätze für die Freiheit

Islam und Moderne müssen nach Ansicht des Islamwissenschaftlers Mouhanad Khorchide keine Gegensätze sein. Anders als häufig behauptet, gebe es schon in der klassischen islamischen Theologie verschiedene Ansätze für die Freiheit des Menschen, erklärte Khorchide am Donnerstagabend in Essen bei einem Symposium. Auf dieser Grundlage sei es sein Wunsch, „den Islam in die Moderne einzubringen und nicht die Moderne in den Islam“, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster.

Frankfurter Rundschau, 18. Mai 2018

Von der Schönheit des Islam

Wenn es in den Medien um das Thema Islam geht, dann dominieren oft die negativen Schlagzeilen: der Terror des IS und  die Angst vor Anschlägen von Islamisten in Europa. Der Münsteraner Professor Milad Karimi kennt das Imageproblem seiner Religion. Aber statt in der Verteidigungshaltung zu verharren, geht er in die Offensive und preist die Schönheit und Ästhetik des Islam.

NDR, 31. Mai 2018

Zwei Twitter-Fronten bei #Maischberger

Wer bei Twitter den Hashtag #Maischberger eingibt, findet Tweets zweier Fronten: Die Islamisierungsgegner mit Aussagen wie „Je mehr Moslems in einem Land sind, desto schneller geht das Land zurück ins 7. Jahrhundert“. Und die „Kampf gegen rechts“-Front mit Tweets à la „Wie lange möchte die ARD dem aufkeimenden Faschismus noch hofieren?“ In der veröffentlichten Meinung scheint letztere dominant zu sein.

Cicero, 7. Juni 2018

Die liberale Moschee

Vor einem Jahr wurde die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin eröffnet, eine Moschee, die - so sagte es ihre Gründerin Seyran Ates - ein anderes, ein liberaleres Bild des Islam zeigen soll. In der Frauen und Männer gemeinsam beten können und die nicht nur für Muslime, sondern auch für Juden, Christen und Atheisten offenstehen sollte. Einer der Mitbegründer damals war Abel-Hakim Ourghi, Islamwissenschaftler aus Freiburg. NDR Kultur hat im Freitagsforum mit ihm gesprochen.

NDR, 15. Juni 2018

Über 1000 Mal angegriffen und beleidigt

Anfeindungen, Beleidigungen, körperliche Attacken: 1.075 Übergriffe auf Muslime und islamische Einrichtungen wurden 2017 in Deutschland registriert. Dagegen setzt sich das neue Netzwerk Claim ein. Die Initiatoren der Allianz fordern eine "eine Empörung aller" gegen Diskriminierung von Muslimen.

Deutschlandfunk, 27. Juni 2018

Vier Stellen für Islam-Professoren

Vor Kurzem beschloss die Humboldt-Universität endgültig die Gründung ihres Islam-Instituts – jetzt ist auch der erste Schritt genommen, um Professuren für die Islamische Theologie einzurichten. Der Akademische Senat der HU hat am Dienstag den Antrag zur Freigabe von vier entsprechenden Stellen beschlossen. Es handelt es sich um Professuren für die Bereiche Islamische Textwissenschaft, Islamisches Recht in Geschichte und Gegenwart, Islamische Religionspädagogik und Islamische Philosophie.

Potsdamer Neueste Nachrichten, 12. Juli 2018

Rechtes Lager gegen liberalen Islam

Wenn "liberal" zum Schimpfwort verkommt, hat man es in der Regel mit ideologischem Eifer, Herrschaftsbestrebungen oder Unkenntnis zu tun. Letzte Woche schrieb ich an dieser Stelle darüber, warum das rechte Lager behauptet, es gäbe keinen liberalen Islam und warum Personen wie ich von rechts angefeindet werden. Doch immer wenn es um den liberalen Islam geht, kommen die Attacken auch von Muslimen selbst.

Die Bandbreite reicht von wütenden Beschimpfungen und Bedrohungen bis hin zu sachlicher Kritik. Einig sind sich dabei alle darin, es könne nur einen Islam geben. Selbst der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, betont: "Es gibt nur EINEN Islam und VIELE Muslime."


t-online, 27. Juli 2018

Zu liberal für Lehramt?

Jüngst wurde mir zugetragen, dass eine junge liberale Muslima in Nordrhein-Westfalen keine Islamlehrerin werden darf. Sie habe die erforderliche, „im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Gnädigen“ zu erteilende Lehrerlaubnis – genannt Idschaza – nicht erhalten. Die Schule, an der sie arbeitet, kann sie daher für den Unterricht nicht einsetzen. Offenbar war die persönliche Haltung der Pädagogin zu ihrer Religion jenem Gremium nicht genehm, das nach dem Willen der Landespolitik über die Idschaza zu befinden hat: dem Beirat für den Islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen.

Frankfurter Rundschau, 3. August 2018

Morddrohung gegen Liberalen

Neulich hat sich wieder der Staatsschutz bei ihm gemeldet. In mehreren Internetforen, in denen sich deutsche Anhänger des sogenannten „Islamischen Staats“ austauschen, gebe es eine direkte Morddrohung gegen ihn. Die Beamten sagen, diese Drohung sei ernst zu nehmen. Abdul Adhim Kamouss sagt: Natürlich ist sie das.

Der Tagesspiegel, 21. August 2018

Enge Verbindung zwischen Macht und Religion

Bernd Roeck, Historiker an der Universität Zürich, zeigt sich skeptisch, was eine schnelle Reformfähigkeit des Islam angeht. In seinem großen Buch „Der Morgen der Welt“ (2017) beschreibt er den rasanten Aufstieg Lateineuropas im Zuge der Renaissance, der keine Entsprechung in der muslimischen Welt fand: Während im Westen Staat und Kirche getrennt wurden, blieben im Islam politische Macht und Religion dagegen eng verbunden.

Welt, 4. September 2018 

Hass statt Kritik

Der Zentralrat der Muslime wünscht sich eine duale Ausbildung von Imamen an deutschen Universitäten. Diese Meldung aus der "Welt" teilt jemand bei Facebook. Die Kommentare sind nicht sehr freundlich.

Blog dir deine Meinung, 14. September 2018

Beobachtung wäre falsch

Imame bespitzeln in Deutschland Erdoğan-Kritiker, in Moscheen wird der Märtyrertod fürs türkische Vaterland gepriesen, wer anders denkt, wird hinausgedrängt. Der türkisch-islamische Moscheeverband Ditib hat sich in einer Weise zum verlängerten Arm Ankaras und zum Fanclub des autokratischen Präsidenten entwickelt, die auch frustrationstolerante Freunde des deutsch-türkisch-christlich-islamischen Dialogs ratlos macht.

Süddeutsche Zeitung, 21. September 2018

Vorleser gefeiert wie Popstars

Für praktizierende Muslime ist es wichtiger, die Suren zu hören als sie zu lesen. Die Koranverse werden von besonders ausgebildeten Interpreten kunstvoll vorgetragen. Die Kunst beschränkt sich nicht auf die Moschee: Die besten Rezitatoren treffen sich zu Wettbewerben und werden wie Popstars gefeiert.

Deutschlandfunk, 3. Oktober 2018

Gespenst bei Facebook

Es geht ein Gespenst um bei Facebook. Der Islam. Viele fischen im Trüben der AfD und posten täglich ihre Abneigung gegenüber einer Weltreligion, die sie für gefährlich halten. Zurzeit diskutieren sie über Polygamie, denn bei Wikipedia werden für Mohammed zehn Frauen aufgelistet. Während die Sunniten meinen, dass der Prophet zwei Lieblingsfrauen gehabt hat, sind sich alle, die vor dem Islam Angst haben, einig, dass schon eine zweite Frau eine zu viel ist.

Hier weiterlesen 20. Oktober 2018

Der gute Islam

Ein einmonatiger Studienaufenthalt im Oman zum Zwecke der Wiederbelebung und Verbesserung verschütteter Arabischkenntnisse gab in diesem Sommer die Gelegenheit, ein Land näher kennenzulernen, das hierzulande in erster Linie als aufregende (Luxus-)Tourismusdestination bekannt ist beziehungsweise als solche massiv beworben wird. Dieser Aufenthalt bot dabei eine interessante Möglichkeit, ein tief vom Islam geprägtes Land kennenzulernen, das auf der arabischen Halbinsel liegt, aber so fern und frei von dem ist, was man gemeinhin heute mit dieser Region assoziiert. Ein Land, das man ohne Probleme individuell bereisen kann und in dem man es stets mit immens freundlichen, äußerst zuvorkommenden und ungeheuer hilfsbereiten Menschen zu tun bekommt.

Der Standard, 2. November 2018

Die Frau als Kriegsbeute

Angelika Kallwass will von den Podiumsgästen wissen, wie man in einem vom Islam dominierten Land die Eigenständigkeit entwickeln könne, Atheist zu werden. Alles habe mit der einfachen Frage begonnen, warum das Paradies Türen habe, antwortet Yahya Ekhou. Sein Imam habe daraufhin gesagt: "Geh und bete und halt' die Klappe!" Dann habe er, Ekhou, angefangen, im Internet über den Islam und seine Geschichte zu recherchieren. Er habe sich gefragt, ob Religionen insgesamt die Menschen eher zusammenführten oder auseinander brächten und für ihn wurde klar: Letzteres. Shuruq habe ihren Mann einmal gefragt, was der Islam für sie als Frau getan habe. Er habe geantwortet, im Islam sei sie eine Königin, er bewahre sie wie ein Juwel. Sie wolle aber kein Objekt sein, das aufbewahrt wird, habe sie geantwortet, und habe nach ihren Rechten als Mensch gefragt. Daraufhin begannen sie beide im Koran zu lesen und stellten fest, dass Mohammed keine besonders positive Haltung zu Frauen habe und sie eher als Kriegsbeute sehe.

Humanistischer Pressedienst, 19. November 2018

Fair berichten-wie geht das?

Wie kann man fair über den Islam berichten? Darum ging es in einem Seminar der Initiative „The Muslim Story“ an der Deutschen Journalistenschule. Darin wurde angeblich vor liberalen Islamkritikern gewarnt. Nun fordern die namentlich Genannten eine Klarstellung.

Deutschlandfunk, 30. November 2018

Schluss mit dem Schubladendenken

Wie sieht ein anderer Mensch aus? Wie heißt er? Und wo kommt er eigentlich her? Das sind Fragen, die immer noch gestellt werden, wenn man auf einen Gegenüber trifft, der Muslim ist, augenscheinlich aber in Deutschland geboren wurde. Fragen, die, so sagt der Islamwissenschaftler Elhakam Sukhni, durch ein Schubladendenken entstehen. Ein Denken, das es nach wie vor in den Köpfen gibt. „Wir müssen lernen, dass die Gesellschaft vielfältig ist“, war nur eine Forderung des Islamwissenschaftlers, die er am Samstag bei „Salam Solingen!“ im Walder Stadtsaal präsentierte. „Es gibt nicht die anderen, es gibt nur uns“, lautete seine Kernbotschaft.

Solinger Tageblatt, 9. Dezember 2018


Contra Moscheesteuer

Der Islam wird in Deutschland leicht unter Generalverdacht gestellt, und das verleiht selbst bedenkenswerten Vorschlägen einen unangenehmen Beigeschmack. Auch der Idee einer „Moscheesteuer“, die gerade das weihnachtliche Nachrichtenloch füllt.
Richtig ist: Wenn der Islam „zu Deutschland gehören“ soll, wird er seine eigenen Organisationformen finden müssen, möglichst unabhängig von Geld und Einfluss politischer Institutionen im Ausland. So weit leuchtet der Vorschlag, das Prinzip Kirchensteuer auf den Islam auszuweiten, ein.

Frankfurter Rundschau, 26. Dezember 2018

Aufgelesen XXI